Digitale Jugendbeteiligung

Was genau ist digitale Jugendbeteiligung, und warum sollten Initiator*innen und Entscheider*innen in Bund, Ländern, Kommunen, Verbänden und Vereinen diese einsetzen? Welche Möglichkeiten, aber auch welche Herausforderungen spielen in der Praxis eine Rolle?

ePartizipation von Jugendlichen, Grafik: Gabriele Heinzel, CC BY 3.0 DE
ePartizipation von Jugendlichen, Grafik: Gabriele Heinzel, CC BY 3.0 DE

Der Digitalisierung der Gesellschaft trägt seit einigen Jahren auch die Politik Rechnung: Bundespolitische Strategien wie die Digitale Agenda 2014-2017 oder die Jugendstrategie „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“ zeigen Richtlinien und Wege, wie sich digitale Werkzeuge und Prozesse nutzen lassen, um für mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten auf allen Ebenen zu sorgen – auf Bundes- und Landesebene, von Kommunen, Verbänden und Vereinen bis hin zur Jugendarbeit sowie für Einzelne, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Zudem stehen in Zeiten des demographischen Wandels viele Städte, Kommunen und Verbände vor der Herausforderung, ihre Anziehungskraft als Standort beziehungsweise Organisation zu erhalten und zu verbessern.

Dabei sind solche Kommunen und Organisationen überlebensfähiger, deren politische Entscheidungen die Belange und Bedürfnisse ihrer Bürger*innen bzw. Mitglieder einbeziehen und sie aktiv an der (kommunalen) Gestaltung beteiligen. Wenn Menschen sich engagieren, partizipieren und ihre Beteiligung Wirkung zeigt, steigen Zufriedenheit und Identifikation mit dem eigenen Umfeld.

Dazu brauchen gerade junge Menschen Möglichkeiten des Engagements und der politischen Teilhabe, die über die klassischen Kanäle wie Verbände, Organisationen und Parteien hinausgehen.

Digitale Medien und Internet (ePartizipation) können Beteiligungsprozesse mit Jugendlichen unterstützen und sie damit niedrigschwelliger und leichter durchführbar machen. Denn digitale Medien sind – unabhängig von Bildung und wirtschaftlichem Hintergrund – ein selbstverständlicher, täglich genutzter Bestandteil des Lebens junger Menschen. Sie sprechen alle Lebensbereiche an – Jugendliche kommunizieren mit ihren Freund*innen, tauschen sich zu Themen aus, spielen, hören Musik und informieren sich.
Digitale Medien bilden somit einen vertrauten Raum. Diesen können Politik und Verwaltung nutzen, um sich mit jungen Bürger*innen auszutauschen und mit ihnen gemeinsam politische Entscheidungen zu treffen – unabhängig von Ort und Zeit. So werden die Möglichkeiten des politischen Austauschs erweitert und demokratisiert.

Dazu kommt, dass Jugendverbände und Jugendinitiativen, in denen Beteiligung alltäglich ist, ebenfalls viel mit Hilfe sozialer Medien mit Jugendlichen kommunizieren. So können sie auf Beteiligungsprojekte von Politik und Verwaltung aufmerksam machen, bei ihren Mitgliedern und Freund*innen dafür werben, und über soziale Medien Diskussionen über Beteiligungsprojekte anstoßen.
Nicht zuletzt können Jugendliche selbst mit Hilfe digitaler Medien Beteiligung organisieren und durchführen. Die Vielfalt der Medien schafft dabei wiederum eine Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten, die für Jugendliche besonders interessant ist: Sie können zum Beispiel Fotoprojekte oder Videos machen und darin auf Dinge aufmerksam machen, die sie in ihrer Kommune verändert haben wollen. So können sie unabhängig von klassischen Medien Aufmerksamkeit für ihre Themen generieren und Mitstreiter*innen gewinnen. Oder Jugendinitiativen und Jugendverbände nutzen Online-Tools, um intern Jugendliche an wichtigen Entscheidungen zu beteiligen.

In größeren Beteiligungsprojekten bieten Online-Tools die Möglichkeit, dass mehr junge Menschen ihr Wissen einbringen und dadurch den politischen Diskurs und das Gemeinwesen stärken.

Um ihr volles Potenzial zu entfalten, muss Jugendbeteiligung mit digitalen Medien und Methoden gut geplant sein. Das heißt, dass die Ziele und die Ressourcen gemeinsam mit allen Beteiligten festgelegt, der Prozess transparent und für alle zugänglich gestaltet sowie Informationen aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden. Politik und Verwaltung lernen, dass sie Entscheidungsmacht abgeben, wenn sie die Ergebnisse der Beteiligung ernst nehmen. Es ist wichtig, dass sich alle Beteiligten darüber einig sind, welche Fragen gestellt werden und welchen Entscheidungsspielraum es gibt. Hier ist die Frage des Prozesses noch vor der Auswahl des passenden Tools besonders wichtig. Zudem muss die Beteiligung in die Abläufe von Politik und Verwaltung eingebettet sein, damit ihre Ergebnisse dann vorliegen, wenn sie auch umgesetzt werden können. In jedem Fall sind von Anfang an genügend Ressourcen vorzusehen. Mehr Transparenz und mehr Beteiligung sind zunächst einmal ein Mehraufwand – von dem jedoch alle im Ergebnis profitieren.

Digitale Jugendbeteiligung hat ganz wörtlich zwei wesentliche Eigenschaften. Zunächst handelt es sich um die Beteiligung Jugendlicher an Entscheidungen in der ganzen Bandbreite (politischer) Bereiche: von der Gestaltung einer konkreten städtischen Brachfläche bis hin zu Vorschlägen zur Verbesserung des gesellschaftlichen Miteinanders. Denn Jugendliche wollen sowohl bei Fragen mitreden, die ganz direkt mit ihrem Alltag zu tun haben, als auch bei denen, die sie abstrakter, aber als Teil der Gesellschaft betreffen. Je nach Fragestellung gibt es verschiedene Stufen der Partizipation: von der Anhörung bis zur Mitbestimmung einer Agenda oder bei Entscheidungen.

Die zweite wichtige Eigenschaft ist, dass digitale Jugendbeteiligung im Unterschied zu klassischen Formen der Beteiligung auf elektronische Medien zurückgreift und von diesen unterstützt wird. Das heißt, eine politische Teilhabe, bei der Jugendliche elektronische Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen; diese umfassen sowohl online-gestützte Tools (ePartizipation) als auch die Beteiligung mit Hilfe von digital erstelltem Video- und Audiomaterial.
Wie stark digitale Medien eingebunden werden, hängt davon ab, was mit dem Beteiligungsprozess erreicht werden soll. Manchmal sind rein digitale Prozesse am effektivsten: Beispielsweise wenn ein Jugendverband sein Leitbild über eine Online-Plattform entwickelt statt sich dafür zu treffen.

In den allermeisten Fällen kommen Beteiligungsprozesse aber nicht ohne den analogen Kontakt zwischen den Jugendlichen untereinander, mit Multiplikator*innen oder den Verantwortlichen in Politik oder Verwaltung aus. Wenn es zum Beispiel darum geht, wie eine Kommune attraktiver für junge Menschen werden kann, dann ist es sicher sinnvoller, dass die Jugendlichen untereinander analog kommunizieren. Gemeinsam in Gruppen können sie Ideen austauschen , ihre Forderungen diskutieren und Feedback von Verantwortlichen, ob sich ihre Ideen umsetzen lassen, erhalten. In diesen Fällen können elektronische Medien Jugendbeteiligung unterstützen sowie ergänzen und vielleicht sogar noch spannender gestalten. Denn sie bieten den Jugendlichen Möglichkeiten, ihre Ideen zu veranschaulichen (z. B. durch Videos oder Fotoprojekte) sowie mit Hilfe von digitalen Tools ihre Forderungen in den größeren Beteiligungsprozess einzubringen und zu diskutieren oder zu bewerten. Die Entscheidungsträger in der Politik oder Verwaltung können ebenfalls mit Hilfe der Tools mit den Jugendlichen kommunizieren.

Wenn digitale Medien zur Jugendbeteiligung genutzt werden, gelten die gleichen Grundsätze wie in anderen Beteiligungsformaten. Zentral ist: Jedes Verfahren muss zwingend auf Wirkung angelegt sein, also echten Einfluss auf Entscheidungen haben, um die vollen Potenziale, die digitale Jugendbeteiligung bietet, ausschöpfen zu können.

Welche Chancen bietet digitale Jugendbeteiligung?

Ob in der Jugendverbandsarbeit, der kommunalen Verwaltung oder in Vereinen: Digitale Jugendbeteiligung bietet neuartige Möglichkeiten, um Jugendliche zu erreichen und ihnen niedrigschwellige Partizipation zu ermöglichen.

In kurzen Statements schildern Praktiker*innen und Fachexpert*innen ihre Perspektive auf das Potenzial digitaler Jugendbeteiligung.

Lassen Sie sich für die nächste digitale Jugendbeteiligung inspirieren!

Welche Chancen bietet digitale Jugendbeteiligung? © DKJS

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