Projekt planen

Die erfolgreiche Planung und Umsetzung von Projekten zur digitalen Jugendbeteiligung sowie die Wahl geeigneter Verfahren und Tools ist von bestimmten Bedingungen abhängig. Wir zeigen, welche dies sind und wie ein Beteiligungsprojekt gut gelingt. Eine Checkliste zum Download hilft bei der praktischen Umsetzung.

Prozess planen, Grafik: © DKJS/die Königskinder
Prozess planen, Grafik: © DKJS/die Königskinder

Maßnahmen der Online-Jugendbeteiligung unterscheiden sich nicht grundlegend von Offline-Partizipation: Jugendliche können an relevanten Entscheidungen in Handlungsfeldern von Bund, Ländern, Kommune oder Organisationen mitwirken. Die Beteiligung von Jugendlichen erhöht sich, wenn der Anlass eine Relevanz für sie aufweist und die Partizipation einen persönlichen Zugewinn darstellt. Andererseits sind Jugendliche aber durchaus auch daran interessiert mitzureden, wenn es nicht um sie ganz persönlich geht, sie aber als Teil der Gesellschaft indirekt betroffen sind, wie zum Beispiel die Demografiestrategie der Bundesregierung oder die Bauleitplanung einer Kommune. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Jugendlichen merken, dass ihre Meinung ernst genommen wird und ihre Ideen und Forderungen eine Wirkung und Konsequenzen haben.

Wenn die Politik in der Kommune merkt, dass Jugendliche sich einbringen und mitentscheiden wollen, was in ihrem Lebensumfeld passiert, kann dies ein Impuls für Akteure vor Ort sein, Jugendliche generell mehr einzubeziehen.

Digitale Partizipationsmethoden sind einerseits sinnvoll, wenn viele Jugendliche über einen längeren Zeitraum an einem Projekt beteiligt werden sollen. Dies kann bei der Umgestaltung eines Jugendhauses wie in Biberach an der Riß oder bei der Konzeption eines gemeinsamen Bauvorhabens wie in München sein. Andererseits dienen auch kurzfristige Beteiligungsanlässe dazu, Jugendlichen eine Stimme zu geben. Hierbei eignen sich vor allem Abfragen und Terminfindungen.

Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es entscheidend, wie sich analoge und digitale Interaktionsprozesse im gesamten Beteiligungsverfahren sinnvoll ergänzen können. Dabei gilt es, grundlegende Unterschiede zwischen digitalen und analogen Werkzeugen zu beachten. Im Gegensatz zu einem festen Termin für eine Befragung Jugendlicher in der Gemeindehalle sind webbasierte Plattformen und Tools rund um die Uhr und nach Belieben der Jugendlichen nutzbar. Darüber hinaus findet die Kommunikation online nicht immer von Angesicht zu Angesicht statt, sondern gestaltet sich je nach Plattform unterschiedlich.

Mit der Nutzung digitaler Werkzeuge erhöht sich nicht automatisch die Beteiligung von Jugendlichen. So ist zunächst entscheidend, ob die Jugendlichen überhaupt eine digitale Beteiligungsform nutzen wollen und welche sich für das Beteiligungsthema eignet.

Zudem muss sowohl zu Beginn des Beteiligungsprozesses als auch zwischendurch immer wieder bekannt gemacht werden, dass die Jugendlichen sich beteiligen können, gerade wenn die Fragestellung sich um Dinge außerhalb ihrer alltäglichen Lebenswelt dreht. Denn so werden sie an das Projekt erinnert, es wird ihnen signalisiert, dass ihre Meinung erwünscht ist und gehört wird und dass sie auch mitten im Prozess noch einsteigen können.

 

Praxiserfahrungen zufolge sind digitale Beteiligungsverfahren als Bestandteil umfassender und längerfristiger Partizipationsprozesse besonders dann zielführend, wenn Jugendliche zu Beginn des Projekts in ihren alltäglichen Interaktionskontexten aufgesucht werden, die sie auch unabhängig vom Partizipationsprojekt nutzen. Sei es im Jugendverband, bei einer Jugendinitiative, in der Schule oder im Jugendzentrum: In den Räumen, die für Jugendliche alltäglich sind, können Beteiligungsprojekte besonders gut angestoßen und durchgeführt werden. Digitale Medien können dann im weiteren Partizipationsprozess unterstützen, indem sie Infos und Anregungen für die Diskussion der Fragestellung bieten. Und mit Hilfe digitaler Tools können die dezentralen Diskussionsergebnisse der Jugendlichen zusammengetragen werden und in den gesamten Beteiligungsprozess einfließen. Dafür können in Absprache mit den Jugendlichen Tools genutzt werden, die eigens für digitale Jugendpartizipation entworfen worden sind. So erlauben es zum Beispiel Werkzeuge wie das ePartool oder Ypart, den Beteiligungsprozess auf einer zentralen Online-Plattform transparent zu organisieren und zu moderieren.

Dabei ist es wichtig zu beachten, dass sich mit den Interessen von Jugendlichen auch ihre digitalen Lebenswelten ändern, d. h. das Nutzungsverhalten bei bestimmten Tools wandelt sich mit der Zeit. Um das richtige digitale Beteiligungsinstrument zu finden, lohnen sich vor allem Gespräche mit den Jugendlichen selbst, da sie hier Expert*innen sind. Daneben geben auch die Beschreibung einzelner Tools und Studien auf dieser Website hilfreiche Hinweise.

Über einen anstehenden Beteiligungsprozess lässt sich zunächst am besten in relevanten Einrichtungen wie Schulen, Jugendhäusern oder anderen Lebensräumen informieren. Neben Schulleitungen, Lehrkräften und Sozialarbeiter*innen sind die wichtigsten und überzeugendsten Multiplikator*innen die Jugendlichen selbst. Sie haben den direkten Zugang zu ihrer Peer-Group und können diese am effektivsten mobilisieren.

Besonders zielführend ist es auch, Jugendinitiativen und Jugendverbände in die Beteiligungsprojekte einzubinden. Denn hier kommen Jugendliche zusammen und sind es gewohnt, gemeinsam in der Gruppe Ideen und Meinungen zu entwickeln und zu diskutieren. Außerdem finden sich hier auch Multiplikator*innen, die den Diskussionsprozess unterstützen können und anschließend die Diskussionsergebnisse mit Hilfe der digitalen Tools in den Gesamtprozess einbringen können.

Jugendliche können selbst als Multiplikator*innen fungieren, wenn sie dazu aufgefordert werden, ihre Freunde und Bekannten zu motivieren, am Partizipationsprojekt teilzunehmen. Dies kann bei einer Kick-Off-Veranstaltung, beispielsweise in der lokalen Stadthalle, geschehen. Dort stellt die Prozessmoderatorin oder der -moderator die Idee, den Ablauf und das Ziel des Beteiligungsprozesses transparent vor. Zudem können die Jugendlichen den Moderator oder die Moderatorin selbst kennenlernen.

Dabei ist auch die Präsenz weiterer relevanter Akteure wie des/der Bürgermeister*in oder von Gemeinderät*innen wichtig, um das Engagement der Jugendlichen wertzuschätzen. Entscheidungsträger*innen sollen hierbei außerdem dazu angehalten werden, ihr Wort für die Umsetzung der Prozessergebnisse zu geben, auf deren Basis die Jugendlichen die Umsetzung bewerten können.

Um möglichst viele junge Menschen mit unterschiedlichen Bildungsgraden und aus diversen sozialen Kontexten zusammenzubringen, haben sich Delegationen von gewählten Schüler*innen unterschiedlicher Schulen als zielführend erwiesen, die dafür auch schulfrei erhalten.

Gerade bei digitalen Beteiligungsverfahren kann die Moderation für den Erfolg oder Misserfolg des Partizipationsprojekts ausschlaggebend sein. So sind für die Umsetzungsphase selbst verbindliche Absprachen zwischen den unterschiedlichen Akteuren notwendig. Diese legen beispielsweise fest, zu welchen Zeitpunkten Diskussionsergebnisse der Jugendlichen vorliegen müssen oder wie und wann die relevanten Entscheidungsträger*innen damit umgehen. Dies ist zum einen wichtig, um echte Beteiligung sicherzustellen und negative Partizipationserfahrungen zu vermeiden. Zum anderen wird so die Motivation der Jugendlichen aufrechterhalten.

Die Moderation hat dabei eine vermittelnde Rolle zwischen den Jugendlichen und der Erwachsenenwelt, wobei sie nicht auf einer Seite steht, sondern die Perspektiven beider Parteien einnimmt. Sie muss die Ansichten der Jugendlichen in eine kompetente Sprache für die Erwachsenen übersetzen und das Handeln der erwachsenen Akteure für die Jugendlichen aufbereiten.

Weiterhin hat die Moderation die Aufgabe, die Meinungen der Jugendlichen herauszufinden und diese durch Nachfragen zu konkretisieren. Wie bei analogen Beteiligungen muss sie die Belange Jugendlicher ernst nehmen, um als Moderation selbst Anerkennung zu erfahren.

Die Aufgabe einer Moderation ist es auch, frühzeitig zu erkennen, ob es Hindernisse oder Probleme im Beteiligungsprozess gibt und auf diese einzugehen. Gemeinsam mit den Jugendlichen kann die Moderation dann herausfinden, wie diese Hindernisse oder Probleme überwunden werden können – ob eventuell der Beteiligungsprozess als gesamtes, die eingesetzten Tools, der Zeitrahmen oder die Fragestellungen verändert werden müssen. Entscheidend dafür ist eine gute Kommunikation zwischen der Moderation und den Multiplikator*innen zum Beispiel in Jugendverbänden und Jugendinitiativen.

Auch am Ende des Prozesses ist meistens ein erneutes Treffen mit allen Beteiligten sinnvoll, bei dem die Prozessergebnisse vorgestellt werden. Hier können die Akteure aufgefordert werden, den Beteiligungsprozess zu bewerten. Die Jugendlichen erleben vor Ort, was sie zu dem Prozess beigetragen haben. Sie können den Entscheidungsträger*innen ihre Interessen nochmal verdeutlichen und erfahren, was mit den Prozessergebnissen passieren wird.

Verbindliche Absprachen ermöglichen die gesellschaftliche Teilhabe von Jugendlichen unterschiedlicher sozialer Kontexte und motivieren sie, sich vor Ort zu engagieren. So kann für Jugendliche Beteiligung etwas sein, mit dem sie aufwachsen.

Checkliste der wichtigsten Schritte in digitalen Jugendbeteiligungsprozessen

Die folgende Checkliste liefert eine Hilfestellung für die wichtigsten Schritte zur Planung und Umsetzung von wirksamen digitalen Jugendbeteiligungsprojekten. Die Checkliste steht zum Download und Ausdruck zur Verfügung und kann so im Verlauf des Beteiligungsprozesses vor Ort genutzt werden.