4 Fragen an: Daniela Ritter

Thema

jugend.beteiligen.jetzt im Gespräch mit Daniela Ritter des Kinder- und Jugendbüros der Stadt Kassel

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Die Nutzung von digitalen Medien, Tools und sozialen Netzwerken kann bei Beteiligungsprozessen nicht nur ‚nebenher‘ erledigt werden.

Daniela Ritter, Kinder- und Jugendbüro Kassel

1. Welche digitalen Medien und Tools nutzen Sie, um Jugendliche zu beteiligen?

Ritter: In Kassel haben wir bisher bei Jugendbeteiligungsprojekten digitale Medien in erster Linie zur Veröffentlichung und Bekanntmachung von Aktionen und Veranstaltungen genutzt. Bei einigen Projekten gab es auch Abstimmungsprozesse bzw. Umfragen, die online erfolgt sind. Insbesondere im Bereich Jugendkultur und Trendsport nutzen wir soziale Netzwerke, um kurzfristig auf Termine hinzuweisen, über Veranstaltungen zu informieren und direkt mit der Zielgruppe zu kommunizieren (Kommentarfunktion bei Facebook). So hat sich beispielsweise bei dem Beteiligungsprojekt Dirtpark Kassel eine Facebook-Gruppe gegründet, die auch nach dem Bau der Bike-Strecke und Abschluss des Projektes noch aktiv ist.

Bei der Suche nach geeigneten Flächen für eine Parcours-Trainingsfläche wurde mit Hilfe von Google eine Abstimmung der vorhandenen Vorschläge abgestimmt, um eine Priorisierung aus der Sicht der Parcours-Szene vorzunehmen. Bei einem Beteiligungsprojekt für einen Skateplatz hatten die Jugendlichen selber eine Google-Umfrage eingerichtet, um die verschiedenen Varianten abzustimmen bzw. zu priorisieren. Auch das Abstimmungstool Doodle hilft bei der Terminfindung innerhalb von Jugendbeteiligungsprojekten.

2. Welche funktionieren gut und welche nicht?

Ritter: Umfragen und Abstimmungen online durchzuführen ist einerseits eine Zeitersparnis für alle Beteiligten, da die Terminfindung oft schwierig ist und selten alle Beteiligten an einem Termin können. Zudem können erfahrungsgemäß mehr Jugendliche erreicht werden, da nicht alle immer bereit sind, an Treffen teilzunehmen. Online-Umfragen sind eine niedrigschwellige Möglichkeit, sich einzubringen. Es braucht unter den Jugendlichen bzw. innerhalb der betreffenden Szene (zum Beispiel Skater-Szene oder Parcours-Szene) andererseits einen „Kümmerer“ bzw. eine „Kümmerin“, über den oder die der Link bzw. die Infos zur Umfrage verbreitet werden. Dies gilt vor allem für soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram.

Die Jugendliche sollten schon bei der Gestaltung von Online-Befragungen beteiligt werden, idealerweise diese selber einrichten (bei Bedarf mit technischer und inhaltlicher Unterstützung). Denn Facebook-Seiten, die von Institutionen (städtisch oder freie Träger) im Rahmen von Beteiligungsprojekten eingerichtet wurden, wurden bisher kaum genutzt, vor allem bei einer großen Zielgruppe. Für die Kinder- und Jugendbeteiligung an einem Stadtteilentwicklungskonzept gab es beispielsweise eine Facebook-Seite, die von dem beauftragten Träger eingerichtet wurde. Die dort veröffentlichen Informationen, Fragen und Beteiligungsangebote wurden mehr von Multiplikator*innen genutzt. Die Jugendlichen haben diese Möglichkeit kaum wahrgenommen, um ihre Meinungen und Ideen zum Stadtteil mitzuteilen.

Es ist unklar, wie ernsthaft und intensiv sich die Teilnehmer*innen mit den Varianten und Standorten auseinandergesetzt haben (einfach nur klicken?!). Fest steht: Ohne den direkten Kontakt und das persönliche Gespräch – also bei reiner Online-Abstimmung − gehen Informationen verloren bzw. bleibt das „Meinungsbild“ gegebenenfalls oberflächlich. Digitale Beteiligungsverfahren ergänzen und unterstützen − der direkte Kontakt mit den beteiligten Jugendlichen oder der jeweiligen Szene darf jedoch nicht fehlen.

3. Wie gehen Sie mit Problemen mit digitalen Tools und Medien um?

Ritter: In Kassel haben wir, abgesehen von sozialen Netzwerken, bisher noch keine Erfahrungen mit den vorhandenen Plattformen und Tools bei städtischen Jugendbeteiligungsprojekten gesammelt, möchten dies aber zukünftig zunehmend etablieren. Bei den Online-Abstimmungen oder auch der Kommunikation über Facebook bleibt unklar, ob und wer eventuell Fake-Accounts nutzt, um Ergebnisse zu beeinflussen. Die Ergebnisse von Online-Umfragen werden daher berücksichtigt, sind aber nicht alleine ausschlaggebend, weil es immer auch Treffen vor Ort und persönliche Kontakte gibt. Dort werden die Varianten im direkten Gespräch diskutiert.

4. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welches Problem mit digitalen Medien und Tools in Jugendbeteiligungen würden Sie gern gelöst haben?

Ritter: Es braucht Zeit (personelle Ressourcen), um kontinuierlich am Ball zu bleiben, soziale Netzwerke zu pflegen und mit Leben zu füllen. Das heißt auch, dass die Nutzung von digitalen Medien, Tools und sozialen Netzwerken bei Beteiligungsprozessen nicht nur gelegentlich „nebenher“ erledigt wird.