4 Fragen an: Sandra Gudehus

Thema

jugend.beteiligen.jetzt im Gespräch mit Sandra Gudehus, Kreisjugendpflegerin des Landkreises Friesland

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Digitale Medien können große Distanzen überwinden.

Sandra Gudehus, Kreisjugendpflegerin des Landkreises Friesland

1. Welche digitalen Medien und Tools nutzen Sie, um Jugendliche zu beteiligen?

Gudehus: Aus den Teilnehmer*innen der Demografiewerkstätten bildete sich das Projektteam „Planungsgruppe Jugendparlament“, das aus ca. 15 sozial und politisch sehr interessierten Jugendlichen im Alter von 16-20 Jahren besteht, die die Zukunft in Friesland durch ihr Engagement auch weiterhin mitgestalten möchten. Hier wurden sowohl der Aufbau als auch die Satzung zur Gründung eines Kreisjugendparlaments erarbeitet, um eine strukturelle, nachhaltige Beteiligung der Jugendlichen im Landkreis Friesland sicherzustellen. Als Medien stehen uns neben der nicht unbedingt jugendgerechten, veralteten Technik „E-Mail“ diverse WhatsApp-Gruppen zur Verfügung, die je nach Anliegen manchmal schon recht schnell laufen können. Hierüber werden Terminabsprachen getroffen, das Logo des Kreisjugendparlaments wurde in der großen WhatsApp-Gruppe diskutiert und abgestimmt und derzeit wird ein Berlinbesuch zum dritten Demografiegipfel dort vorbereitet.

Im Zuge der Planungsgruppe fand sich auch eine kleine Untergruppe, die gemeinsam mit einer ortsansässigen Software- & Designfirma die passende Website jugendparlament-friesland.de kreierte. Ideen gab es viele und die Umsetzung konnte, entgegen des geplanten Zeitrasters, im November 2016 auch weitgehend abgeschlossen werden. Die Möglichkeit, Abstimmungen oder sogar Wahlen durchführen lassen zu können, wurde erst einmal vertagt, da hier weitere Kosten entstanden wären. Sie soll allerdings nach der Wahl des Kreisjugendparlaments wieder in den Blick genommen werden.

2. Welche funktioniert gut und welche nicht?

Gudehus: Die digitalen Medien sind aus meiner Sicht eine wertvolle Ergänzung und können große Distanzen überwinden, so dass es möglich ist, auch die Jugendlichen aus Wangerooge [Insel] in den Prozess der Jugendbeteiligung auf Kreisebene leichter einzubeziehen. Der virtuelle Kontakt ersetzt allerdings nicht die notwendige persönliche Kontakt- und Beziehungspflege sowie die bedarfsorientierten Treffen mit den Jugendlichen.

Da es hier in unserer Behörde, dem Landkreis Friesland, natürlich immer auch im Bereich des Datenschutzes Sorgen und Auflagen gibt, ist die Nutzung der zeitgemäßen digitalen Medien häufig mit einigen Hürden verbunden, die ich als Kreisjugendpflegerin manchmal einfach gerne umgehen würde.

3. Wie gehen Sie mit Problemen mit digitalen Tools und Medien um?

Gudehus: Möglich war das im Bereich der WhatsApp-Nutzung. Ich nutzte einfach meinen privaten Account, ohne den viele Absprachen und ein kontinuierlicher Kontakt sowie kurze Erinnerungen an bevorstehende Treffen oder Verspätungen sonst kaum möglich wären. Selbst die E-Mails mit Protokollen oder Entwürfen zu bestimmten Texten und Flyern kündige ich vorher per WhatsApp an, damit die Jugendlichen gezielt ihre Mails checken können und in der WhatsApp Gruppe weiterdiskutiert werden kann.

Durch den Einsatz der digitalen Medien, speziell von WhatsApp, hat sich meine Arbeitszeit allerdings etwas verschoben. Stehen Absprachen an oder müssen bestimmte Fragen zwischen den Treffen der Planungsgruppe geklärt werden, die nur in der Gruppe geklärt werden können, finde ich mich häufig abends arbeitend auf meinem Sofa wieder und bin heilfroh, dass es eine Funktion gibt, die das Handy dann irgendwann auch stumm schalten kann ;-)

Im Bereich der Website kann rückblickend gesagt werden, dass es schon recht aufwendig war, alle Texte und Inhalte zusammen mit den Jugendlichen und der Softwarefirma zu erstellen und abzustimmen. Der Zeitplan von Jugendlichen und Erwachsenen liegt da manchmal schon ganz schön weit auseinander. Auch hier galt es, datenschutzrechtliche Hürden zu meistern, Wege für eine praktikable Lösung zu finden, die den Jugendlichen, aber auch dem verantwortlichen Träger entsprechen. Hier half unsere IT- und Rechtsabteilung. Die Nutzung der Seite ist noch nicht ganz so intensiv, wie sie es hoffentlich sein wird. Denn bald werden sich dort die zukünftigen Kandidat*innen des Kreisjugendparlaments vorstellen und in ihren „Wahlkampf“ eintreten oder Themen zur Diskussion stellen, an der sich dann hoffentlich auch die regionale Politik beteiligen wird.

4. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welches Problem mit digitalen Medien und Tools in Jugendbeteiligung würden Sie gerne gelöst haben?

Gudehus: Der Datenschutz ist schon ein Problem, das sich sehr gerne in Luft auflösen könnte, wenn es nach mir gehen würde. Das hat mich in der Vergangenheit echt Nerven und viel Zeit gekostet. Auch mein begrenztes Wissen oder Können bezüglich des Einsatzes digitaler Tools in der Jugendarbeit und Jugendbeteiligung sehe ich trotz genutzter Fortbildung in diesem Bereich als einen großen Stolperstein.