4 Fragen an: Amanda Beser

Thema

jugend.beteiligen.jetzt im Gespräch mit Amanda Beser, Redakteurin in der Jugend-Redaktion von jup! Berlin

https://jugend.beteiligen.jetzt/Amanda%20Beser%20%C2%A9%20Karla%20Fritze

Um mehr Aufmerksamkeit für ein Thema zu generieren, muss es auch gesellschaftliche Relevanz haben!

Amanda Beser, jup! Berlin

1. Welche Instrumente helfen dir bei der Verbreitung deiner Botschaften?

Beser: Die wichtigsten Instrumente für mehr Reichweite meiner Beiträge sind vor allem die sozialen Netzwerke, Hashtags und Supporter*innen. Um mehr Aufmerksamkeit für ein Thema zu generieren, wie etwa bei der #MeToo-Debatte, muss es auch gesellschaftliche Relevanz haben!

Das Hashtag #MeToo verbreitete sich auf Twitter, als die Jugendredaktion des Berliner Jugendportals jup! Berlin an einem Video arbeitete, in denen Jugendliche von sexueller Belästigung berichteten. Die Verbreitung des Videos im Zuge von #MeToo funktionierte dann sehr gut, weil Betroffenheit bestand. Nicht nur Frauen allein „schlagen“ sich mit solchen Problemen, Erniedrigungen und Diskriminierungen herum, sondern auch Väter und Mütter von Töchtern, Partner*innen und Freunde der Betroffenen. Viele Menschen fühlten sich angesprochen, da eigene Erfahrungen aus erster Hand bzw. aus dem Umfeld bestanden.

Jetzt, nachdem Jeder und Jede von der #MeToo-Debatte mitbekommen hat, wäre es auch sinnvoll, die Aufmerksamkeits-Welle zum Beispiel auf Gewalterfahrungen in der Kindheit zu lenken. Ich würde mir wünschen, dass dieses Thema endlich mehr gesamtgesellschaftliche Hinwendung bekommt, wie es in Ansätzen bei der #MeToo-Debatte geschehen ist und dass auch echte Konsequenzen folgen. 

2. Welche Erfahrungen hast du dabei im Umgang mit digitalen Tools gesammelt?

Beser: Bilder sind wichtig! Gute, vor allem. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Leute auf den Beitrag klicken. Prägnante Überschriften und Leser*innenfreundlichkeit der Beiträge sind auch entscheidend. Je weniger Text, desto besser, wenn jedoch mehr Text vorhanden sein soll, dann unterhaltend geschrieben. Außerdem hilft es einen Aufruf/Beitrag auf möglichst vielen Kanälen zu verbreiten und Freund*innen zu bitten, Beiträge zu teilen, zu liken oder zu kommentieren. Je nach sozialem Medium, sollte der Inhalt jedoch angepasst werden. Auf Instagram und Snapchat passen eher nur Bilder, auf Twitter Zitate und auf Facebook ruhig ein kleiner Text. Zusätzlich sollten jedoch immer eigene seriöse Websites vorhanden sein, auf die dann per Link verwiesen werden kann, damit Interessent*innen eigenständig weiterlesen können.  

3. Wer sind deine Adressaten und wie erreichst du diese Zielgruppe?

Beser: Mein Zielpublikum ist meistens eines, dass meiner Peer-Group gut entspricht: junge, engagierte und politisch motivierte Menschen mit Wissensdurst. Ich versuche sie durch Themen zu erreichen, die mich selbst interessieren. Ganz nach dem Motto: „Schaut mal, was ich gesehen habe, vielleicht ist das ja auch etwas für euch?“.  

4. Worin siehst du den Erfolg deines Projektes?

Beser: Bei der #MeToo-Debatte war es die zeitlich passende Reaktion und die persönliche Erfahrung, die ich als Erfolg wahrnehme. Meiner Meinung nach ist es jedoch mindestens genauso traurig und schockierend, wenn nicht sogar noch brisanter, dass junge Frauen und Mädchen die gleichen Erfahrungen im öffentlichen Raum und im Umgang mit fremden Männern sammeln, wie alle anderen Frauen auch. Man müsste doch annehmen, dass die Kinder- und Jugendphase einem besonderen Schutz unterliegt. Mit diesem „Schutz“ wird gern in anderen Kontexten argumentiert, wie etwa bei der Cannabis-Legalisierung, doch wenn es um sexuell motivierte Attacken im öffentlichen Raum geht, wird er gern ignoriert.

Amanda Beser ist Redakteurin in der Jugendredaktion beim Berliner Jugendportal jup! Berlin. Die Redaktion hat Erfahrungsberichte zum Thema sexuelle Belästigung gesammelt und veröffentlicht. Ein Video zu sexueller Belästigung von Mädchen und Frauen wurde auf Facebook über 7.000 Mal angesehen.


#METOO - Erfahrungsberichte aus der jup!-Jugendredaktion