4 Fragen an: Jasper Dombrowski

Thema

jugend.beteiligen.jetzt im Gespräch mit Jasper Dombrowski vom „Handicap Lexikon“:

https://jugend.beteiligen.jetzt/Jasper%20Dombrowski%20%C2%A9%20privat

Wir nutzen die digitalen Tools viel, da wir darauf angewiesen sind und nicht mal eben schnell anrufen oder vorbeikommen können.

Jasper Dombrowski, Handicap Lexikon

1. Welche Instrumente helfen dir bei der Verbreitung deiner Botschaften?

Dombrowski: Wir haben das Handicap-Lexikon gegründet, um die Akzeptanz für Behinderte zu steigern und die Leute darüber aufzuklären, dass behindert zu sein nichts Schlimmes ist.

Dabei haben wir, Linus (17) und Jasper (22), uns für eine Website entschieden, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Vor allem aber behinderte Menschen, da einige von ihnen beispielsweise keine Magazine alleine umblättern können oder keine richtige Möglichkeit haben, Zeitschriften zu vergrößern. Das geht mit einem Computer deutlich besser.

Im Zuge der Website hat es sich angeboten weitere digitale Tools wie Facebook und Twitter zu nutzen. Dies steigert auch die Aufmerksamkeit unserer Website.

Wir waren auch schon offline unterwegs. Dort waren wir in meiner alten Schule und haben unsere Website vorgestellt und Fragen zum Thema Diskriminierung beantwortet. Wenn Interesse besteht, kommen wir auch gerne zu Ihnen. Schreiben Sie uns einfach.

Letztes Jahr waren wir auch auf der Jugendmesse YOU, um einen persönlichen Kontakt zu Jugendlichen und Erwachsenen herzustellen. Ob alle verstanden haben, was wir vor Ort wollten, kann ich nicht sagen, dennoch war es eine nette Erfahrung für uns.

2. Welche Erfahrungen hast du dabei im Umgang mit digitalen Tools gesammelt? 

Dombrowski: Durchweg positive. Bei mir läuft fast alles per E-Mail, was auch daran liegt, dass ich nur mit einem iPad kommunizieren kann. Das ist der Grund, warum ich in meiner E-Mail-Signatur vom Handicap-Lexikon neben meiner Telefonnummer einen Vermerk habe: „am besten per WhatsApp oder SMS erreichbar“.

Als wir vor einiger Zeit Fördermittel bei der Berliner Jugendjury beantragten, konnte Linus kurzfristig nicht an dem Treffen teilnehmen, bei dem die Gelder vergeben werden sollten. Da konnte er sich per Skype dazu schalten lassen und so beim Treffen dabei sein. Mit dem Geld konnten wir den Relaunch der Website bezahlen.

Wir nutzen die digitalen Tools viel, da wir darauf angewiesen sind und nicht mal eben schnell anrufen oder vorbeikommen können. Bisher geht das super.

Digitale Tools sind für mich auch im Arbeitsleben unerlässlich. So habe ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber, der Berliner Behindertenzeitung, per E-Mail angefragt, ob sie noch jemanden suchen und mich zum Bewerbungsgespräch verabredet. Ich habe den Job bekommen und die Kommunikation über das iPad funktioniert problemlos, auch weil die Redaktion überall verteilt arbeitet.

3. Wer sind deine Adressaten und wie erreichst du diese Zielgruppe?

Dombrowski: Da wir die Akzeptanz steigern möchten oder zumindest versuchen, eigentlich alle.

Über die Website und die Social-Media-Plattformen haben wir dies, so empfinden wir es nach einigen durchweg positiven Feedbackmails, schon einigermaßen erreicht. Natürlich kann und sollten wir auf jeden Fall noch mehr Menschen mit und ohne Behinderung erreichen.

4. Worin siehst du den Erfolg deines Projektes?

Dombrowski: Auf unserer Website bitten wir Menschen mit und ohne Handicap darum, Fragebögen auszufüllen. Dass schon viele unsere Fragebögen ausgefüllt haben und so viele Leute uns auf Facebook folgen, empfinde ich als Erfolg. Wenn Sie einen unserer Fragebögen ausfüllen und abschicken, können Sie Ihre Antworten auf unserer Website sehen und online mit Ihren Freunden gerne teilen. So entsteht eine Art persönliche Selbsthilfe mit Erlebnissen, die richtig interessant sind.

Außerdem erreichen uns in letzter Zeit immer wieder Anfragen für Interviews. Das muss ja heißen, dass wir präsent sind und Interesse an dem Thema besteht.

Das coole dabei ist, finde ich, dass wir die ganze Sache mit der Website in unserer Freizeit ehrenamtlich aus tiefer Überzeugung machen (wie Vorträge in der Schule oder die Website/Facebook pflegen) und so viele Interessierte gefunden haben.

Ob wir den Leuten mit oder ohne Behinderung wirklich helfen oder wir damit aufklären, wissen wir nicht. Wir sehen aber, wie viel Verkehr herrscht und die ein oder andere Rückmeldung kommt. So lange das so bleibt, sind wir stolz und machen weiter.

Jasper Dombrowski (22) und Linus Bade (17) haben das Handicap-Lexikon ins Leben gerufen. Mit der Website www.handicap-lexikon.de, den dazugehörigen Social-Media-Aktivitäten und gelegentlichen Workshops möchten sie Kontaktängste zu Menschen mit Behinderungen nehmen, indem sie über Behinderungen aufklären.