4 Fragen an: Katja Sinko

Thema

jugend.beteiligen.jetzt im Gespräch mit Katja Sinko, Leiterin der Kampagne „THE EUROPEAN MOMENT“:

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Der Schlüssel liegt in der Kombination aus Offline- und Online-Formaten.

Katja Sinko, THE EUROPEAN MOMENT

1. Welche Instrumente helfen dir bei der Verbreitung deiner Botschaften?

Sinko: Social Media und Mund-zu-Mund-Propaganda sowie Videos und Sticker haben geholfen, unsere Kampagne THE EUROPEAN MOMENT bekannt zu machen. Wir haben viel mit Facebook und Twitter, vor allem aber auch mit Videos, die unsere Ideen und Visionen transportiert haben, gearbeitet. Zudem sind Bilder sehr wichtig, um das Erlebte und Gefühlte festzuhalten. Wir hatten das Glück sehr talentierte Fotografen im Team zu haben, die die jeweiligen Stimmungen wunderbar festgehalten haben. Wir glauben, dass persönliche Geschichten viel mehr transportieren und haben deswegen viel mit Statements zu Fragen wie: „Warum ist jetzt der Moment für Europa auf die Straße zu gehen?“ gearbeitet und diese von jungen Menschen wie du und ich beantworten lassen.

Die Beantwortung zeigt, dass jede und jeder ganz bestimmte Gedanken und Gefühle mit Europa und der EU verbindet. Diese spiegeln genau das wider, was Europa für uns ausmacht: Vielfalt.

2. Welche Erfahrungen hast du dabei im Umgang mit digitalen Tools gesammelt?

Sinko: Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich mal eine Website betreue und in der Lage bin, diese zu gestalten. Auch was die Nutzung sozialer Medien wie Facebook und Twitter betrifft, habe ich viel dazu gelernt. So einen Facebook-Account zu managen, ist nicht sonderlich kompliziert. Jeden Tag jedoch die Kraft und Kreativität aufzubringen, sich neue, ansprechende Posts zu überlegen, das kann schon ganz schön zeitintensiv sein. Facebook und Co. eignen sich fantastisch, um junge Menschen und Gleichgesinnte zu erreichen. Der Beweis dafür: Es gab kein Treffen in der Vergangenheit, an dem nicht mindestens ein neues Gesicht dazu stieß. Was mich besonders gefreut hat, ist, dass man es teilweise durch Social Media geschafft hat, der „Europa-Bubble“ zu entkommen und nicht immer nur dieselben schon Engagierten und ehrenamtlich Aktiven den Weg zu unseren zeitweise wöchentlichen Treffen gefunden haben. Der Schlüssel liegt, glaube ich, in der Kombination aus Offline- und Online-Formaten. Würde die gesamte Kommunikation nur online in sozialen Medien stattfinden, wäre die Identifikation eine andere. Durch die regelmäßigen Treffen haben wir uns gegenseitig motiviert und uns befeuert dran zu bleiben und für unsere Ideen einzustehen. 

3. Wer sind deine Adressaten und wie erreichst du diese Zielgruppe?

Sinko: Mit dieser Ansprache hat alles begonnen: „Du fandest 2016 politisch ziemlich scheiße? Keinen Bock mehr, den Nationalisten auch 2017 weiterhin das Feld zu überlassen? Dann werde Teil unserer proeuropäischen Kampagne und lass uns gemeinsam 2017 zu einem besseren proeuropäischen Jahr machen!“ Wir verstehen uns als eine Plattform für Proeuropäer*innen, offen für alle Menschen, die auf ein friedliches und vereintes Europa Wert legen. Gerade jetzt möchten wir kritisch und leidenschaftlich für eine Zukunft des Europäischen Projektes eintreten und so eine konstruktive Gegenstimme zu Populismus und Nationalismus sein, die Probleme nicht ausblendet, sondern benennt. In dieser Beschreibung haben sich viele wiedergefunden und sind zu unseren Veranstaltungen gekommen. Bei unseren Treffen galt jedes Mal die Regel: Alle sind willkommen und können sich einbringen. Hierarchien gab es nicht wirklich. Vielmehr die Devise: The more, the merrier. Gepaart mit „spreadtheword“ hat das ganz gut funktioniert. 

4. Worin siehst du den Erfolg deines Projektes?

Sinko: Ziel unserer Kampagne war es Aktivist*innen statt Statist*innen in dem europäischen Integrationsprozess zu sein. Wir sahen unsere Kampagne auch als eine Art Challenge: Oft wird behauptet, dass sich für ein so komplexes Thema wie die Europäische Union die Mehrheit vor allem der jungen Menschen nicht begeistern lässt. Wir sehen das anders! Durch die Unterschriftensammelaktionen auf den Straßen, Großveranstaltungen wie dem March for Europe und bei WG-Partys sowie Online-Aktionen wie Videos mit kurzen und knappen Erklärungen der Forderungen haben wir junge Menschen in die Diskussion integriert, die sonst durch die teilweise fehlgeschlagene Kommunikationspolitik der EU nicht erreicht worden wären.  

Das, was wir uns als THE EUROPEAN MOMENT Anfang letzten Jahres vorgenommen haben, hat besser funktioniert als wir es uns je erträumt hatten: Die Bündelung vieler einzelner proeuropäischer Kräfte, um gemeinsam für ein großes proeuropäisches Projekt an einem Strang zu ziehen. Die Eigenbrötlerei der einzelnen proeuropäischen Kampagnen zumindest bezüglich des kleinen gemeinsamen Nenners zu beenden und für das große Ganze an einem Strang zu ziehen – Europa retten!

Katja Sinko engagiert sich bei der Jungen Europäischen Bewegung Berlin-Brandenburg und hat mit weiteren Europa-Begeisterten im Jahr der Bundestagswahl 2017 die Kampagne „THE EUROPEAN MOMENT“ gestartet. Die Gruppe richtete eine e-Petition namens „Bundestag #MachsEuropäisch“ an den Deutschen Bundestag, die 7.000 Mal mitgezeichnet wurde.