4 Fragen an: Claus Arndt

Thema

jugend.beteiligen.jetzt im Gespräch mit Claus Arndt, Mitarbeiter der Open Government Modellkommune Moers:

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In all der Zeit seit dem Start unseres Open-Data-Portals haben wir festgestellt, dass die im kommunalen Bereich häufig geäußerten Bedenken quasi gegenstandslos sind, die Vorteile der Datenöffnung sich aber immer klarer abzeichnen.

Claus Arndt, Mitarbeiter der Open Government Modellkommune Moers

1.Worin liegt der Mehrwert für die Kommune, offene Daten zu veröffentlichen?

Arndt: Auf den ersten Blick stechen natürlich die Apps, Anwendungen und Datenvisualisierungen hervor, die auf Basis offener Daten entstanden sind – und zwar überwiegend durch ehrenamtliches Engagement interessierter Coder*innen. Wichtiger jedoch ist aus meiner Sicht, dass wir mit dem Thema „offene Daten“ einen schönen Aufhänger gefunden haben, das Thema Digitalisierung auf eine spannende und anregende Weise in die Stadtgesellschaft zu tragen und so den Keim zu einer nachhaltigen Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Digitalisierung zu legen. Hier geht es u. a. um Medienkompetenz, den verständigen Umgang mit Daten, den Brückenschlag zu technischen Lösungen, z. B. im Bereich der Sensorik, das Erlernen von Programmierfähigkeiten oder auch datenjournalistische Aspekte. 

Es entsteht tatsächlich eine immer größer werdende lokale Community, die sich mit offenen Daten und anderen Digitalisierungsthemen beschäftigt und sogar inzwischen für die IT-Wirtschaft zu einem Faktor im Bereich des Fachkräftenachwuchses zu werden scheint.

Darüber hinaus hilft uns unser Open-Data-Projekt dabei, das interne Datenmanagement zu verbessern und ein erweitertes Bewusstsein für die Qualität und Nutzungsmöglichkeiten von Datenbeständen zu erlangen.

2. In welchen Formaten arbeiten Jugendliche in Ihrer Kommune mit offenen Daten?

Arndt: Ursprünglich haben wir kein spezielles Format für Jugendliche angeboten. Jedoch waren 2015 bei unserem ersten Hackday im Moerser Rathaus auch einige Jugendliche dabei. Das hat uns angespornt, Angebote zu entwickeln, die für Jugendliche geeignet sind, die ja oft erst am Anfang stehen und noch keine umfassenden Programmierkenntnisse haben. Seit dem zweiten Hackday gibt es daher Einsteigerworkshops zum Thema Coding/Open Data, von denen sich einer gezielt an Mädchen richtet.

2017 hatten wir dann „Jugend hackt“, eine Initiative der Open Knowledge Foundation, in Moers. Es gab mehrere Workshops und eine ganztägige Veranstaltung in einem Jugend- und Kulturzentrum. Im Rahmen der Events konnte das Team von „Jugend hackt“ den Kids einen unglaublich faszinierenden Zugang zur Welt der Programmierung, Robotik oder Sensorik eröffnen.

Seit rund zwei Jahren gibt es mit „Code for Niederrhein“ zudem ein regionales Entwickler-Lab, das sich im Rahmen eines der Hackdays gegründet hat. Hier treffen sich Interessierte verschiedenen Alters, um sich regelmäßig zu offenen Daten auszutauschen und Projekte umzusetzen.

3. Was war das Überraschendste, das sich aus der Arbeit mit offenen Daten ergeben hat?

Arndt: Ebenso überraschend wie erfreut war ich darüber, dass jetzt ein junger Coder von Apple als Scholar zur Entwicklerkonferenz WWDC 2018 nach San José eingeladen wurde. Ausschlaggebend war die Entwicklung seiner Open-Data-App „Mein Moers“, die der 16-Jährige als Mitglied von „Code for Niederrhein“ mit Daten der Stadt Moers programmiert hat. Sein Interesse am Coding haben wir 2015 bei unserem ersten Hackday geweckt – was für eine tolle Entwicklung!

4. Was haben Sie daraus gelernt? Und was möchten Sie anderen, die in die Arbeit mit und die Veröffentlichung von offenen Daten einsteigen wollen, mit auf den Weg geben?

Arndt: In all der Zeit seit dem Start unseres Open-Data-Portals haben wir festgestellt, dass die im kommunalen Bereich häufig geäußerten Bedenken quasi gegenstandslos sind, die Vorteile der Datenöffnung sich aber immer klarer abzeichnen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass man auch klein und sehr pragmatisch anfangen kann: Auch Moers ist mit nur 30 Datensätzen gestartet und hat diese in der eigenen Website veröffentlicht. Man sollte sich auf jeden Fall mit Kommunen austauschen, die schon längere Zeit Erfahrungen gesammelt haben und sich mit der Community vernetzen!

Foto: Claus Arndt © privat