4 Fragen an: Guido Zintl

Thema

jugend.beteiligen.jetzt im Gespräch mit Guido Zintl, Mitarbeiter der Open Government Modellkomune Merzenich:

https://jugend.beteiligen.jetzt/Guido%20Zintl%20%C2%A9%20Gemeinde%20Merzenich

Die bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen zeigen, dass die Beteiligung und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik und Bürger*innen sehr wertvoll und wichtig für das Handeln und die Entwicklung einer Kommunalverwaltung sein können.

Guido Zintl, Mitarbeiter der Open Government Modellkomune Merzenich

1. Worin liegt der Mehrwert für die Kommune, offene Daten zu veröffentlichen?

Zintl: Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Begriffe „Open Data“ und „Open Government“ differenziert voneinander betrachtet werden sollten. Open Government wird als bewusste und systematische Öffnung von Lokalpolitik und Kommunalverwaltung für die Interessen, Anforderungen und Fähigkeiten der vielfältigen, mobilen, digitalen und zunehmend globalisierten Gesellschaft in den Gemeinden, Städten und Kreisen verstanden. Dabei geht es um eine moderne und transparente Verwaltungskultur. Es wird davon ausgegangen, dass die Verwaltung ihren Aufgaben besser gerecht werden kann, wenn die Anforderungen ebenso wie das Wissen und die Erfahrungen der Bürger*innen systematisch einbezogen werden. Das Ziel von Open Data ist, orientiert an der Definition des Bundesministeriums des Innern, der Aufbau eines Daten-Ökosystems, in dem Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft gegenseitig von einer guten Datenbasis profitieren können.

Sowohl Open Government als auch Open Data bieten die Möglichkeit, mehr Transparenz für die Bürger*innen zu schaffen. Das bedeutet konkret, dass Informationen der Verwaltung – soweit wie möglich – für alle Bürger*innen der Gemeinde zugänglich sein sollen. Außerdem hilft dies dabei, die Meinungsbildung und Eigeninitiative der Bürger*innen unserer Gemeinde zu fördern und neue Ideen und Anreize in die tägliche Verwaltungsarbeit integrieren zu können.

Nähere Informationen, insbesondere zu den vom Gemeinderat beschlossenen Leitlinien des Projektes Open Government, können Sie gerne im Ratsinformationssystem auf der Homepage der Gemeinde Merzenich unter folgenden Links nachlesen:

2. In welchen Formaten arbeiten Jugendliche in Ihrer Kommune mit offenen Daten?

Zintl: Hierzu möchte ich zunächst auf die Ausführungen zu Frage 1 verweisen. Open Data ist für uns mehr als eine reine Datenbereitstellung auf offenedaten.kdvz-frechen.de. Es stellt vielmehr eine weitere Möglichkeit der Partizipation zwischen Kommunalverwaltung, Politik und Zivilgesellschaft dar. In den letzten Jahren sind in Merzenich bereits zwei Jugendforen zu entsprechenden Themen durchgeführt worden. Ziel dieser Foren war es, die Anliegen der Jugendlichen miteinzubinden und damit einen Kommunikationskanal zwischen den Jugendlichen und der Verwaltung initiieren zu können. Außerdem ermöglichte dieses Instrument, konkrete Projekte mit den Jugendlichen durchzuführen, die insbesondere die Attraktivität des Gemeindelebens für die Jugend thematisierten. Hierzu gehören die Schaffung von Freizeitmöglichkeiten, wie ein Beachvolleyball-Feld, ein Open-Air-Kino, Bowling/Billard, eine Cross-Strecke, eine Grillhütte, Konzerte, Fußballfelder und Skatebahnen oder auch die Ansiedlung von Einkaufsmöglichkeiten, wie ein Drogeriemarkt oder eine Discounter-Filiale. Die Ergebnisse dieser Projekte wurden daraufhin in die politischen Gremien miteingebracht und eine mögliche Umsetzung thematisiert. Die politischen Gremien reagierten durchweg positiv auf die Projekte und Anregungen. Hier sind jedoch auch Haushaltsthemen und damit verbunden fehlende finanzielle Mittel zu berücksichtigen. Dennoch konnten zwischenzeitlich zwei Schutzhütten am Ortsrand geschaffen werden, die nun Treffpunkte für die Jugend darstellen. Außerdem könnte ein Beachvolleyball-Feld im Rahmen der neu entstehenden Sportinfrastruktur eingeplant werden. Das Open-Air-Kino wird als flexible Maßnahme, ein bis zwei Mal jährlich, in die Überlegung miteinfließen und gegebenenfalls werden auch noch vorhandene Sportstätten ertüchtigt.

3. Was war das Überraschendste, das sich aus der Arbeit mit offenen Daten ergeben hat?

Zintl: Das Projekt hat bisher besonders das hohe Engagement der Jugendlichen sowie deren Einsatz für die Entwicklung und die Attraktivität des Gemeindelebens hervorgebracht. Die Jugendlichen brachten viel Kreativität und Neugierde in die stattgefundenen Projekte ein und schafften es somit, der Verwaltung neue Anreize und Ideen vorzulegen, da viele der oben genannten Themen der Verwaltung so noch nicht bekannt waren. Die Jugendlichen und die beteiligten Vereine wurden in die Umsetzung dann direkt eingebunden. Dies hat bewiesen, dass die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Jugend sehr gut funktioniert und die Jugendlichen bereit sind, an der Entwicklung der Gemeinde Merzenich mitzuwirken.

4. Was haben Sie daraus gelernt? Und was möchten Sie anderen, die in die Arbeit mit und die Veröffentlichung von offenen Daten einsteigen wollen, mit auf den Weg geben?

Zintl: Die bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen zeigen, dass die Beteiligung und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik und Bürger*innen sehr wertvoll und wichtig für das Handeln und die Entwicklung einer Kommunalverwaltung sein können. Die Veränderung der Verwaltung nach innen und nach außen zu kommunizieren bietet die Möglichkeit, das Verwaltungshandeln transparenter und innovativer zu gestalten. Allerdings sollte dabei beachtet werden, dass genaue Spielregeln, sogenannte „Leitlinien“, festgelegt werden. Diese helfen dabei, dass sich Bürger*innen, Politiker*innen und Verwaltungsvertreter*innen auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und darauf vertrauen können, dass die verabredeten Verfahrensschritte und die Arbeitsstruktur eingehalten werden.

Foto: Guido Zintl © Gemeinde Merzenich