4 Fragen an: Jayan Areekadan

Thema

jugend.beteiligen.jetzt im Gespräch mit Jayan Areekadan, Mitarbeiter der Open Government Modellkommune Köln:

https://jugend.beteiligen.jetzt/Jayan%20Areekadan%20%C2%A9%20privat

Durch den freien Zugang zu Verwaltungsdaten wird politisches Handeln transparent und nachvollziehbar.

Jayan Areekadan, Mitarbeiter der Open Government Modellkommune Köln

1. Worin liegt der Mehrwert für die Kommune, offene Daten zu veröffentlichen?

Areekadan: Die Stadt Köln verfügt über eine Vielzahl von Daten öffentlichen Interesses und stellt diese seit 2013 unter offenedaten-koeln.de zur freien Nachnutzung zur Verfügung.

Durch den freien Zugang zu Verwaltungsdaten wird politisches Handeln transparent und nachvollziehbar. Die Bereitstellung unterstützt somit unmittelbar den Veränderungsprozess im Verhältnis von Bürger*innen und öffentlicher Verwaltung, hin zu mehr Teilhabe und einer intensiveren Zusammenarbeit.

Gleichwohl wird eine Basis geschaffen, um bürgerschaftliches Engagement zu fördern und Potenziale zu heben. Dies kann neben einem erweiterten und verbesserten Bürger*innenservice auch zu wirtschaftlichen Innovationen führen. Zum Beispiel können abstrakte Datenbestände, wie der kommunale Haushalt oder Strukturdaten, aufbereitet, visualisiert und somit verständlich dargestellt werden. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft auf Basis offener Daten birgt das Potenzial einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz und Sichtbarkeit. Zu nennen wäre hierzu beispielsweise das Projekt „Daten für die Stadt“, bei dem Bürger*innen zusammen mit der Stadtverwaltung Köln und der Technischen Hochschule Köln untersucht haben, wie und ob Bürger*innen befähigt werden können Luftschadstoffe eigenständig über Sensoren zu messen. Die hierbei erhobenen Daten werden dabei ebenfalls als offene Daten zur Verfügung gestellt.

Auch verwaltungsintern werden durch die Veröffentlichung von offenen Daten Mehrwerte generiert, denn diese Daten können und sollen innerhalb der Verwaltung genauso genutzt werden wie außerhalb. Prozesse der Datengenerierung und -haltung werden im Hinblick auf die Veröffentlichung als offene Daten überprüft, so wird ebenfalls eine verwaltungsinterne Evaluierung bestehender Systeme gefördert.

2. In welchen Formaten arbeiten Jugendliche in Ihrer Kommune mit offenen Daten?

Areekadan: Köln bietet Jugendlichen mehrere Möglichkeiten, sich im Rahmen offener Daten zu beteiligen, mit offenen Daten zu arbeiten und sich in diesem Themenfeld zu vernetzen.

Als erste Anlaufstelle dient hier die bürgerschaftliche Usergruppe Open Knowledge Lab (OK Lab) Köln der Initiative codefor.de der Open Knowledge Foundation Deutschland. Hier arbeiten Bürger*innen gemeinsam an nützlichen Anwendungen und Visualisierungen rund um offene Daten. Insbesondere wird erprobt, wie Daten und Software dabei helfen können, Städte und Nachbarschaften zu verbessern. Termine und bisher umgesetzte Projekte können hier eingesehen werden: codefor.de/koeln/.

Ein weiteres Format ist der Kölner Ableger der Veranstaltungsreihe „Jugend hackt“, ein Programm zur Förderung des Programmiernachwuchses im deutschsprachigen Raum. In Teams wird hierbei unter anderem mithilfe von offenen Daten an Prototypen, digitalen Werkzeugen und Konzepten für eine nachhaltige Stadtentwicklung gearbeitet. Unterstützt werden Jugendliche während der Veranstaltung von Mentor*innen und der Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW.

3. Was war das Überraschendste, das sich aus der Arbeit mit offenen Daten ergeben hat?

Areekadan: Hinter dem Thema „offene Daten“ versteckt sich ein einfaches Konzept: Daten sind dann „offen“, wenn sie durch jedermann und für jegliche Zwecke genutzt, weiterverarbeitet und weiterverbreitet werden können. Überraschend sind das große kreative Potenzial und das hohe Engagement der Bürger*innen im Rahmen der Umsetzung von Ideen.

Seit Beginn des Projektes sind über 60 Anwendungen, Visualisierungen und Artikel basierend auf den bereitgestellten offenen Daten entstanden. Diese erstrecken sich z. B. über digitale Sprachdienste, Schadstoffmessungen über Sensoren oder aber datenjournalistisch aufbereitete Artikel in überregionalen Tageszeitungen. Eine komplette Liste der umgesetzten Anwendungen lässt sich unter offenedaten-koeln.de/anwendungen einsehen.

Projektideen werden immer öfter direkt an die Verwaltung herangetragen und wenn möglich in direkter Zusammenarbeit umgesetzt.

4. Was haben Sie daraus gelernt? Und was möchten Sie anderen, die in die Arbeit mit und die Veröffentlichung von offenen Daten einsteigen wollen, mit auf den Weg geben?

Areekadan: Die Verfügbarkeit von offenen Geo-, Umwelt oder Verkehrsdaten wird zu einem wichtigen Standortfaktor, insbesondere wenn es um die Förderung des Bürger*innenservice oder um wirtschaftliche Innovationen geht. Ein offener Zugang zu Datenbeständen, nicht nur aus diesen Bereichen, ist darüber hinaus Voraussetzung für neue Formern digitaler Partizipation.

Um das vorhandene zivilgesellschaftliche Potential zu nutzen, ist eine Interaktion mit unterschiedlichen Nutzergruppen, der Community, erforderlich und unumgänglich. Die Umsetzung von offenen Daten ist kein reines Verwaltungsprojekt, sondern muss zusammen mit den Bürger*innen erfolgen. Dies kann z. B. durch gemeinsam durchgeführte Veranstaltungen oder aber durch Teilnahme an und Vernetzung innerhalb der unterschiedlichen Benutzer*innengruppen geschehen. So kann auch die Verwaltung von der Expertise und dem Know-how der Community profitieren und dieses ggfs. gewinnbringend einsetzen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, Nutzer*innengruppen frühzeitig in den Veröffentlichungsprozess einzubeziehen, um so beispielsweise – und wenn möglich – eine geeignete Datenformatierung zu besprechen.

Gerade am Anfang des Einstiegs in das Thema „offene Daten“ sind möglicherweise Vorbehalte innerhalb der Verwaltung und zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft vorhanden. Durch eine verstärkte Kommunikation und durch Interaktion, z. B. in gemeinsamen Projekten, können diese jedoch meist schnell abgebaut werden.

Foto: Jayan Areekadan © privat