Offene Daten für die digitale Jugendbeteiligung: Eine Gebrauchsanleitung zur Bereitstellung von Open Data

Thema

In welchem Zusammenhang stehen offene Daten und digitale Jugendbeteiligung? Leonard Wolf (Open Knowledge Foundation) liefert eine erste Hilfestellung für Kommunen.

Bei Daten denken wir häufig an große Datenmengen, die Unternehmen sammeln und für ihre Interessen nutzen. Auch Datenschutz kommt uns oft in den Sinn. Doch dass Daten neben solch zumeist wirtschaftlichen und verbraucherrechtlichen Dimensionen auch gesellschaftliche und politische Funktionen haben können, ist vielen Menschen häufig nicht bewusst. So können offene Daten Auskünfte über die Lärmbelästigung an Straßen, die Barrierefreiheit von Bahnübergängen oder die Einnahmen und Ausgaben einer Gemeinde geben. Mit der konsequenten Bereitstellung solcher Daten können sie sowohl politische Teilhabe als auch Innovationen fördern.

Was sind offene Daten?

Offene Daten bezeichnen Daten, die von Behörden, Unternehmen sowie Wissenschaft und Forschung zur Verfügung gestellt werden und damit von der Allgemeinheit genutzt und weiterverwendet werden können. Sie ermöglichen es Organisationen und Initiativen, wie etwa engagierten Jugendlichen, eigene Anwendungen und Dienste mit diesen Daten zu entwickeln, um so z. B. Geflüchteten zu helfen, in der neuen Umgebung anzukommen.

Informationen aus diesen Daten können die Grundlage für neue und moderne Projekte der Jugendbeteiligung sein: Offene Daten machen politische (Entscheidungs-)Prozesse verständlicher und zugänglicher, sofern sie leicht verständlich aufbereitet sind. Daten zu abstrakten Themen, wie kommunalen Haushalten, Umwelt und Nachhaltigkeit oder gesellschaftlichen Entwicklungen lassen sich z. B. mit Visualisierungen der Daten leichter vermitteln und erklären. Dies birgt auch für die Arbeit mit Jugendlichen eine Vielzahl an Möglichkeiten: In Moers haben sich Jugendliche beispielsweise dank offener Daten intensiv mit dem demografischen Wandel und den Folgen für ihre Umgebung auseinandersetzen können.

Die Plattform OffenerHaushalt.de der Open Knowledge Foundation Deutschland wiederum ermöglicht eine einfache Darstellung von öffentlichen Haushalten und deren Funktionsweisen. Kommunen sind eingeladen, sich daran zu beteiligen. Die Haushaltsdaten Ihrer Kommune bieten damit Jugendlichen z. B. die Möglichkeit, direkt zu erkennen, wie sich Ausgaben in Bereichen wie Jugendarbeit oder Bildung und Kultur über die Jahre verändern. Damit geben Sie ihnen eine praktische Argumentationsgrundlage für zukünftige öffentliche Debatten an die Hand und ermächtigen sie so, noch stärker für ihre Ziele und Vorhaben einzustehen.

 

Daten bereitstellen: Kleine Schritte zu Beginn

Damit die Daten, die Sie bereitstellen wollen, auch „offen“, also maschinenlesbar und bearbeitbar sind, müssen Sie einige Dinge beachten. Es ist vollkommen in Ordnung, zunächst einmal klein mit vereinzelten Daten(sätzen) anzufangen. Bei diesen ersten Gehversuchen können Sie schauen, wie sich das Vorhaben in Ihre eigenen Prozesse integrieren lässt. Folgende zwei Kriterien sind besonders wichtig: Lizenzierung und (Datei-)Formate.

Auf eine passende Lizenzierung sollten Sie achten, da diese entscheidet, was mit Ihren Daten verwirklicht werden kann. Vielleicht kennen Sie aus anderen Bereichen Ihrer Arbeit bereits sogenannte Creative Commons Lizenzen. Mit deren Hilfe können Sie Dritten bereits im Vorfeld zeigen, wie diese „Ihre“ Daten nutzen dürfen. Die offenste aller Lizenzierungen heißt CC0. Sie stellt gewissermaßen eine Verzichtserklärung hinsichtlich aller Rechte dar, deshalb ist die Nutzung von CC0-lizenziertem Material an keinerlei Bedingungen geknüpft. Eine CC-BY-Lizenz verpflichtet Nutzende Ihrer Daten hingegen dazu, die Bereitsteller*in zu nennen.

Grundsätzlich sollten Sie bei der Lizenzierung von offenen Daten immer bedenken, dass jegliche Bedingungen dazu führen, dass die Weiterverwendung der Daten eingeschränkt wird. Zum Beispiel führt eine CC-Lizenz mit dem Zusatz NC (non-commercial) dazu, dass Unternehmen Ihre Daten nicht verwenden dürfen. Welche Lizenzen mit welchen Inhalten und Dateien kompatibel sind, können Sie z. B. im Kompatibilitäts-Katalog von Open Knowledge International einsehen.

Offene Standards und Formate

Grundsätzlich ist die Bereitstellung von vollständigen Rohdaten empfehlenswert. So ist es bei Haushaltszahlen einer Kommune zwar interessant zu erfahren, wie viel Geld in den Bereich Kultur geflossen ist, doch wesentlich aussagekräftiger ist eine Aufstellung, welche Posten im Kultur-Etat veranschlagt werden – eher „Tanz & Tee“ oder doch Konzerte in Jugendeinrichtungen?

Damit Sie offene Daten selbst bereitstellen können, müssen Sie außerdem das Dateiformat berücksichtigen. Sie sollten Daten in einem maschinenlesbaren und strukturierten Format veröffentlichen und offene Standards nutzen. Im Konkreten bedeutet dies: Dateiformate wie .csv (für Tabellen) oder .txt (für Textdateien) sind gegenüber Microsoft-Office- oder PDF-Formaten zu bevorzugen. Dies sorgt dafür, dass nicht nur Personen mit dem gleichen Computer wie dem Ihrigen sondern auch Nutzer*innen mit anderer Software die Dateien lesen können.

Auch die Bereitstellung an sich sollte für alle Nutzer*innen so einfach und zugänglich wie möglich erfolgen. So haben viele Städte oder Bundesländer bereits eigene Open Data Portale: z. B. GovData auf Bundesebene, OffenDatenPortal Moers oder Open Data Sachsen.

Chance für eine moderne Jugendbeteiligung

Für die digitale Jugendbeteiligung bieten offene Daten ein riesiges Potenzial, sich Themen und Herausforderungen auf eine spannende Art und Weise zu nähern. Gut aufbereitete Daten können soziale und politische Anliegen von Jugendlichen untermauern. Visualisierungen von Daten machen komplexe Zusammenhänge auch für junge Menschen verständlich und spannend.

Die Beschäftigung mit offenen Daten in der Jugendarbeit kann sich zunächst auf Fragen konzentrieren, die unmittelbar Interessen von Jugendlichen berühren:

  • Wie sehen die Ausstattung und Angebote von Jugendeinrichtungen meiner Stadt im Vergleich zu anderen Städten aus?
  • Wie viele öffentliche Fußballplätze gibt es und wie steht es um deren Zustand über die Jahre hinweg?
  • Wie viel Geld wurde in den vergangenen Jahren für bestimmte Bereiche wie Jugendzentren, Radwege oder Bildungsprojekte ausgegeben?

Die Antworten auf diese Fragen können Jugendliche dann z. B. ganz konkret in ihrer Ansprache an Verwaltung und politische Entscheidungsträger*innen nutzen, um ihren Forderungen Gewicht zu verleihen.

Des Weiteren können Sie die Beschäftigung mit offenen Daten in Kombination mit Angeboten in den Bereichen Making und Coding mit Veranstaltungsformaten wie Jugend-Hackathons anregen. Dabei entwickeln Jugendliche eigene kleine Anwendungen, von deren Grund-Ideen auch die Kommune profitieren kann.

Und letztlich weisen verfügbare offene Datensätze immer auch Leerstellen auf: Diese Leerstellen zu füllen kann eine reizvolle Tüftelaufgabe sein. Wasser- und Luftqualität oder Lärmbelastung lassen sich mit ganz einfacher Sensorik im Rahmen von Jugendprojekten selbst erheben. Damit können die Teilnehmenden neben dem eigentlichen Bauen, Anbringen und Auswerten der Sensoren auch für die Bedeutung von offenen Daten sensibilisiert werden – vorausgesetzt, Sie veröffentlichen Ihre Ergebnisse maschinenlesbar und unter einer offenen Lizenz.

Weiterführende Links:

  • Einige Hinweise zur technischen Seite der Veröffentlichung von offenen Daten finden Sie im Open Data Handbuch.

 

Artikel von Leonard Wolf unter CC BY-SA 3.0 DELeonard Wolf © Fiona Krakenbuerger

Leonard Wolf ist Mitarbeiter der Open Knowledge Foundation Deutschland und arbeitete dort bereits für Jugend hackt und FragDenStaat.de. Seit August 2017 gehört er zum Team der Demokratielabore und ist dort vor allem im Bereich der Social-Media-Kommunikation aktiv. Neben seiner Arbeit studiert er Medien- und Kommunikationsmanagement an einer Fernuniversität.