4 Fragen an: Marie Rosenkranz

Thema

In unserer Rubrik „4 Fragen an“ haben wir mit Marie Rosenkranz, Projektleiterin beim European Democracy Lab und ehemalige Kampagnenmanagerin bei Polis180, über die Zukunftsthemen der Jugendbeteiligung und ihre Erfahrungen aus dem Kontext der politischen Beteiligung gesprochen.

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Man fördert die Beteiligung junger Menschen an der Politik vor allem dadurch, dass man auf ihre politischen Interessen eingeht.

Marie Rosenkranz, Projektleiterin beim European Democracy Lab

1. Was ist aus Ihrer Sicht das Zukunftsthema der Jugendbeteiligung?

Rosenkranz: Wie man politische Foren schafft, die Grenzen überwinden: nationale, generationale, soziale. Beteiligung braucht es außerdem nur, wenn die dadurch eingeholten Beiträge auch gehört und ernstgenommen werden. Es braucht keine Pseudo-Partizipation, sondern Verbindlichkeit. Wenn Bürger*innen zu politischen Themen befragt werden, die Entscheidungen aber ihre Antworten nicht abbilden, dann wird Demokratie zunehmend unglaubwürdig und angreifbar für Populist*innen.

2. Wie macht Ihre Arbeit Stimmen von Jugendlichen hörbarer und warum ist Ihnen das wichtig?

Rosenkranz: Bei Polis180 können die Mitglieder gemeinsam Politikvorschläge ausarbeiten, z. B. zur EU-Migrationspolitik oder zu der Frage, wie eine feministische Außenpolitik aussehen kann. Die Vorschläge halten wir in sogenannten Policy-Papers fest, die veröffentlicht und Parteivertreter*innen zugänglich gemacht werden. Wir diskutieren diese Vorschläge auch auf Veranstaltungen in Formaten, die ein bisschen anders sind als klassische politische Veranstaltungen, die eine offene Debatte zulassen. Es ist uns so schon gelungen, unsere Vorschläge in Richtlinien des Auswärtigen Amtes unterzubringen. Das sind wertvolle Erfahrungen politischer Wirksamkeit, die es in Zeiten hoher politischer Komplexität nicht mehr alltäglich oder wenn dann eher in der Lokal- und nicht der Außenpolitik gibt – die viele junge Menschen aber sehr beschäftigt. Wirksamkeitserfahrungen wie diese haben auch mich langfristig politisiert. Sie ermutigen, sich immer wieder in politische Debatten einzumischen.

3. Welches digitale Werkzeug braucht es noch für die Zukunft, um für Jugendliche Zugänge zu Beteiligung zu schaffen?

Rosenkranz: Parteien sollten offen dafür sein, sich die Strukturen von Start-ups oder auch Polis180 als Grassroots-Thinktank anzuschauen. Nicht alles ist dort besser, schneller, digitaler, aber es gibt sicherlich Aspekte, die manche Parteien noch aufnehmen könnten. Insbesondere in der internationalen Zusammenarbeit sind viele von jungen Menschen gegründete Netzwerke sehr erfolgreich. Fast selbstverständlich wachsen etwa neue europäische Parteien wie Diem25 und Volt entlang digitaler Kommunikationsnetzwerke. Deshalb müssen sie sich der oftmals stark durch Mobilität geprägten Lebenswirklichkeit junger Menschen gar nicht erst anpassen – sie bilden sie direkt ab.

4. Was würden Sie Menschen empfehlen, die Jugendliche digital an Entscheidungsprozessen beteiligen wollen?

Rosenkranz: Man darf nicht denken, dass man, sobald man digital zusammenarbeitet, gleich alle jungen Leute an Bord hat. Digitale Plattformen können auch an den Bedürfnissen ihrer Nutzer*innen vorbeigedacht werden. Es empfiehlt sich, mit User-Experience-Designer*innen und jungen Menschen selbst zusammenzuarbeiten und die Erwartungen an die Technik nicht zu hoch zu schrauben. Letztendlich fördert man die Beteiligung junger Menschen an der Politik nämlich vor allem dadurch, dass man auf ihre politischen Interessen eingeht und sie als wichtige und zukunftsträchtige Wähler*innengruppe anerkennt.

Marie Rosenkranz ist Projektleiterin beim European Democracy Lab in Berlin. Zuvor managte sie die Kampagne „Demokratie braucht Dich“ bei Polis180, einem Grassroots-Thinktank für Außen- und Europapolitik. Das Ziel von Polis180 ist, die Stimme der jungen Generation im politischen Diskurs zu stärken. Sie studierte Kommunikation, Kulturmanagement und Europawissenschaften in Friedrichshafen, Maastricht und Granada. Sie forscht zum Verhältnis von Kultur und Politik, Medienkultur und Partizipation.

Foto: Marie Rosenkranz © Polis180